Der Apfel und seine Verwendungen

Okay, zugegeben – Äpfel sind nicht gerade wahnsinnig originell und als die grössten Charakterköpfe unter den Früchten gelten sie auch nicht. Eine schmackhafte Apfelwähe wird zwar von vielen geschätzt, mit dem Prädikat einfallsreich wird sich seine Bäckerin jedoch wohl kaum je rühmen können. Trotzdem, Äpfel sind wahre Alleskönner – sie lassen süsse wie auch salzige Gerichte hervorragend schmecken, sie sind gesund und in fast jeder Jahreszeit ohne schlechtes Gewissen zu geniessen. Der Selleriesalat erhält erst durch den Apfel sein gewisses Etwas, das ‚Ghackte mit Hörnli’ mundet in Begleitung eines Apfels in Musform besonders und das geliebte Birchermüsli müsste ohne die geraffelten Äpfel gar um seine Existenz bangen. Ich denke, es ist daher durchaus berechtigt, dem Apfel den Auftritt zum Auftakt dieses Foodblog's zu gönnen.

Äpfel passen immer, jeder mag sie und schmecken tun sie sowieso in jeder Form – eine besonders schmackhafte Variante sind Apfel-Muffins.  

Apfel_Muffin_1
Apfel_Muffin_2

Schillers Vorliebe für Äpfel

Während unsereiner für Äpfel im Kompott schwärmt oder bei Tarte Tatin schwach wird, war Schillers Vorliebe für Äpfel von anderer Natur. Friedrich Schiller mochte Äpfel sehr, so sehr, dass er sie gar als Inspirationsquelle für sein kreatives Schreiben benötigte. Jedoch nicht in Form eines gluschtigen Apfelkuchens, sondern in verfaultem Zustand in der Schublade seines Schreibtisches gehortet. Schiller, so erzählt die Sage, habe stets modere Äpfel in seiner Schreibtischschublade aufbewahrt, um sich vom Duft der faulen Früchte immer wieder von Neuem anregen zu lassen. Dieses Gerücht wurde von niemandem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe in die Welt gesetzt. Dieser erzählte die Geschichte nämlich seinem Vertrauten und Dichter Eckermann, der in seinem Notizheft festhielt:

Ich besuchte ihn eines Tages, und da ich ihn nicht zu Hause fand und seine Frau mir sagte, daß er bald zurückkommen würde, so setzte ich mich an seinen Arbeitstisch, um mir Dieses und Jenes zu notiren. Ich hatte aber nicht lange gesessen, als ich von einem heimlichen Uebelbefinden mich überschlichen fühlte, welches sich nach und nach steigerte, so daß ich endlich einer Ohnmacht nahe war. Ich wußte anfänglich nicht, welcher Ursache ich diesen elenden, mir ganz ungewöhnlichen Zustand zuschreiben sollte, bis ich endlich bemerkte, daß aus einer Schieblade neben mir ein sehr fataler Geruch strömte. Als ich sie öffnete, fand ich zu meinem Erstaunen, daß sie voll fauler Aepfel war. Ich trat sogleich an ein Fenster und schöpfte frische Luft, worauf ich mich denn augenblicklich wieder hergestellt fühlte. Indeß war seine Frau wieder hereingetreten, die mir sagte, daß die Schieblade immer mit faulen Aepfeln gefüllt seyn müsse, indem dieser Geruch Schillern wohlthue und er ohne ihn nicht leben und arbeiten könne.
— aus Eckermann, Gespräche mit Goethe 1848, 8. Oktober 1827

Rezept für Apfel-Muffins (ca. 12-14 Stück):

Zutaten:

  • 80 g weiche Butter
  • 280g Zucker
  • 150g Mehl
  • 100g Mandeln gemahlen
  • 1 EL Backpulver
  • Prise Salz
  • 1-2 TL Zimt
  • 2 Eier
  • 240 ml Vollmilch
  • 80g weisse Schokolade geraspelt
  • 2 Äpfel 

Zutaten für die Baisermasse:

  • 2 Eiweisse
  • etwa 90g Zucker

Zubereitung:

  1. Butter und Zucker mit dem Handrührgerät crèmig rühren. Eier einzeln unterrühren. Milch dazu giessen.
  2. In einer weiteren Schüssel Mehl mit Backpulver und Zimt mischen und die gemahlenen Nüsse dazu geben. Trockene und flüssige Zutaten untereinander mischen.
  3. Nun die geraffelten Äpfel und die geraffelte Schokolade unterheben. Die Masse in die Muffin-Förmchen füllen und sofort backen. Nicht allzu voll füllen, sonst besteht die Gefahr, dass sie während des Backens überlaufen.
  4. Während dem die Muffins im Ofen sind, die Baiserhaube zubereiten. Eiweisse steif schlagen und Zucker langsam einrieseln lassen. Immerzu schlagen bis das Eiweiss genügend steif ist.
  5. Nach 15 Minuten Backzeit die Muffins aus dem Ofen nehmen und das Baiser vorsichtig draufstreichen und modellieren, wie gewünscht. Für ein besonders apartes Ergebnis kann auch einen Spritzsack verwendet werden. Zwei Löffel tun es jedoch auch. Dann das ganze nochmals 10 bis 15 Minuten backen bis die Haube leicht gebräunt ist.  Auskühlen lassen. Finito!

Rezept als PDF