Mags-Frisch-Rezept-Aprikosen-Thymian-Torte

Wenn Aprikosen zum Techtelmechtel verführen

Dieses Backerlebnis war was ganz Besonderes! Denn was fürs Bloggen gilt, gilt auch fürs Essen: Teilen machts besser! Und dieses Motto trifft auch beim Backen vollends zu. Mags Frisch und Sims Labim haben gemeinsame Sache gemacht und was dabei herauskam, war diese oberschmackhafte Aprikosentorte. Schon zu Beginn unserer beider ‚Blogger-Karrieren’ war klar, dass wir mal gemeinsam was kredenzen. Simone’s Blog ist eine wunderschöne Sache und eine echte Perle unter den Schweizer Food Blogs. Ich ziehe meinen Hut. So toll ihr Blog, so toll ist es auch mit ihr zu backen! Es war ein wahres Backvergnügen und ein umwerfender Tag! Wir flanierten gemütlich zwischen den Winterthurer Flohmiständen, ‚märteten’ erfolgreich nach indischer Art und belohnten unser Kaufgeschick dann mit feinster Crèpes in der Greperie. Beim anschliessenden Einkauf auf dem Markt liessen wir uns von den prallen Aprikosen verführen und so probierten wir uns an dieser köstlichen Aprikosentorte. Es schmeckte vorzüglich und dass wir während des Backens so viel gelacht haben, hat der Torte nur gut getan. Soviel ist gewiss, es war bestimmt nicht das letzte Mal.

 

Rezept für eine Aprikosentorte

 

Zutaten

für den Tortenboden (20cm Springform):

  • 2 × 2 Eier
  • 2 × 100g Zucker
  • 2 × 100ml Naturejoghurt
  • 2 × 100g Butter
  • 2 × 150g Mehl
  • 2 × halbes Päckli Backpulver

 

für die Aprikosen-Frischkäse-Füllung:

  • 300g Aprikosen
  • 60g bis 80g Puderzucker (nach Belieben, wer es nicht so süss mag, nimmt weniger)
  • 400g Frischkäse

 

Zubereitung

1

Die Eier mit dem Zucker, Joghurt und geschmolzener Butter mit dem Handrührgerät crèmig rühren. Mehl und Backpulver dazugeben und alles gut mischen. Im Backofen bei 180 Grad ca. 30 Minuten backen.

2

Den Tortenboden zweimal backen!

Tipp: Bei einem Tortenbodenteig das Joghurt durch gleiche Menge pürierte Aprikosen ersetzen.

3

Die Aprikosen waschen, entkernen und pürieren. Den Frischkäse und den Puderzucker dazugeben und alles zu einer gleichmässigen Masse verrühren.

4

Den einen Tortenboden vorsichtig halbieren. Den ersten Boden auf einen Teller legen und mit der Aprikosen-Frischkäsemasse grosszügig bestreichen.

5

Die weiteren Böden ebenso drauflegen und bestreichen. Der oberste Tortenboden wird dann mit dem Rest der Aprikosen-Frischkäsemasse bestrichen.

6

Zum Schluss die Torte nach Belieben mit Aprikosen und Rosmarin verzieren.

Tipp: Die Aprikosen-Frischkäsemasse kann beliebig stark gesüsst werden. Einfach mehr oder weniger Puderzucker beigeben.

 

Madame Bovary

In Flauberts Madame Bovary werden die Aprikosen schon mal verdächtigt, die Schuld an der Ohnmacht einer jungen Frau zu tragen. Emma beisst mehr oder minder widerwillig in eine Aprikose, worauf sie einen Schrei ausstösst und ohnmächtig zu Boden fällt. Der Apotheker versucht ganz fachmännisch eine Diagnose zu stellen und fragt den Ehemann der in Ohnmacht gefallenen Dame, wie denn das passiert sei. Charles Bovary, der Ehemann, entgegnet:

 

„Ganz plötzlich! Während sie eine Aprikose aß.“
„Höchst merkwürdig!“ meinte der Apotheker. „Es ist indessen möglich, daß die Aprikosen die Ohnmacht verursacht haben. Es gibt gewisse Naturen, die für bestimmte Gerüche stark empfänglich sind. Es wäre eine sehr interessante Arbeit, diese Erscheinungen wissenschaftlich zu untersuchen, sowohl nach physiologischen wie nach pathologischen Gesichtspunkten. Die Pfaffen haben von jeher gewußt, wie wertvoll das für sie ist. Die Verwendung von Weihrauch beim Gottesdienst ist uralt. Damit schläfert man den Verstand ein und versetzt Andächtige in Ekstase, am leichtesten übrigens weibliche Wesen. Die sind feinnerviger als wir Männer. Ich habe von Fällen gelesen, wo Frauen ohnmächtig geworden sind beim Geruch von verbranntem Horn, frischem Brot …“

— aus Madame Bovary, Gustave Flaubert

 

Die Aprikosen-Liebhaber dürfen getrost aufatmen. Von einer derartigen Reaktion auf den wohltuenden Duft frischer Aprikosen ist meines Erachtens nichts bekannt. Auch Emma Bovary selbst dürfte gewusst haben, dass der Grund für ihre Ohnmacht in Wahrheit ganz woanders liegt, denn im orangenen Steinobst. Emma hat kurz zuvor einen Brief erhalten von Rodolphe Boulanger, ihrer leidenschaftlichen heimlichen Affäre. Der Brief enthielt die schmerzhafte Botschaft, dass sich die Wege der beiden hier nun trennen werden. Während Emma von der romantischen Liebe träumte, wollte der Schürzenjäger Rodolphe Boulanger bloss eine Affäre. Der Abschiedsbrief kam schön eingebettet in einem Korb prall gefüllt mit Aprikosen.  Als der unwissende Ehemann die tiefverletzte und verzweifelte Emma darauf aufforderte ebendiese Aprikosen zu essen, war ihr das schlicht zu viel und sie fiel in Ohnmacht.

Gustave Flauberts Madame Bovary ist 1856 erschienen und einer der wichtigsten Romane des Realismus. Die tragische Geschichte erzählt von der jungen Emma, welche – inspiriert durch die grossen Liebesromane – von der romantischen Liebe träumt. In der Hoffnung auf die Erfüllung derer heiratet sie den Landarzt Charles Bovary und erlebt eine herbe Enttäuschung. Herr Bovary entpuppt sich als spiessiger, gefühlsloser Ehemann und das Leben in der Provinz macht den ohnehin schon schnöden Ehealltag nicht besser. Als Emma den Landadligen Rodolphe Boulanger kennenlernt, kann sie seinen Verführungskünsten nicht widerstehen. Doch als sie mit ihm durchbrennen will, lässt er sie sitzen. Der Schürzenjäger wollte bloss eine Affäre, keine Liebesgeschichte. Emma ist tief verletzt. In Léon Dupuis und findet sie einen Seelenverwandten. Die beiden stürzen sich in eine leidenschaftliche Beziehung und leisten sich einen luxuriösen Lebenswandel. Emmas Schuldenberge werden immer höher. Ihrem Ehemann gegenüber verstrickt sie sich mehr und mehr in Lügen, um die Schulden und ihre Liebesgeschichte zu verheimlichen. Emmas Schulden werden untragbar und als ihr sogar mit Pfändung gedroht wird,  vergiftet sie sich selbst mit Arsen. Charles versucht seine Frau zu retten, Emma stirbt einen qualvollen Tod.

Wer zu seiner Aprikosentorte Madame Bovary geniessen möchte, kann sich hier das Buch direkt bestellen.

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