Mags-Frisch-Reisen-Finnland

Fünf Dinge, die wir uns von den Finnen abschauen sollten

Cool, locker und total entspannt – so hab ich Helsinki erlebt.
Woher die kleine Grossstadt ihre Gelassenheit nimmt, kann man erahnen.

 

Da wären die Saunas. Die Finnen lieben ihr Saunabad und es soll hier gar fast soviel Saunen wie Menschen geben. Ob im finnischen Parlament oder beim Hamburger verdrücken im Burger King – für die Sauna ist gesorgt. Und wer sich noch nach Aussicht sehnt, schmort in der Sauna-Gondel des grossen Riesenrads mitten in der Stadt.

 

Ähnlich wohltuend: oma aika. Oma aika bedeutet eigene Zeit und meint, jene Zeit, die jeder einfach mit sich alleine verbringt. Schon am zweiten Tag Helsinki ist mir das aufgefallen: in der finnischen Hauptstadt ist’s Sommer. Die Menschen liegen am Ufer, lesen, dösen, weilen in der Sonne. Die Mehrheit ist allein hier, mit Strandtuch, Buch und Proviant. In Anbetracht der vielen Sonnenhungrigen ist es still hier, erstaunlich still und erholsam.

 

Die Gelassenheit kommt nicht nur vom Alleinsein und Schwitzen. Die Menschen in Helsinki kommen auch ganz köstlich durch den Tag.  Ein paar Dinge sollten wir uns unbedingt abschauen.

 

1. Kaffee & Filterkaffee schlürfen

Die Finnen sind ein Kaffee-Trinker Volk, ja gar das Kaffee-Trinker Volk. Kein anderes Land hat einen höheren Kaffee-Verbrauch-pro-Kopf – 12kg Rohkaffee trinkt der Finne im Jahr, das sind in etwa 1700 Tassen. Ragazzi, vergesst es, dieser Titel geht zweifelsohne in den Norden.

 

Eine Folge davon: die Suche nach gutem Kaffee früh morgens in Helsinki kommt einer Reizüberflutung gleich. Flat White, Latte, Espresso – der Finne kann Barista genauso gut wie Hockey. So wie der Finne Schlittschuh läuft, so macht er Kaffee: geschmeidig und gekonnt.

 

In Kallio, wo sich Latzhosen, Chucks und Flohmis tummeln, gibt’s auffallend oft Filterkaffee. Mein Herz lässt das höher schlagen. Eine grosse Tasse Filterkaffee mit viel Milch ist kaum zu toppen. Höchstens mit einem noch warmen, grossen Hefeteiggebäck. Und das auch das muss man hier nicht nicht suchen, es findet dich ganz von selbst.

 

2. Hefegebäck essen

Korvapuusti heissen die Zimtrollen aus Hefeteig, die hier fast verschwenderisch unter die Leute gebracht werden. Ich muss gestehen, ich hatte bereits wieder vergessen, wie gut solch frisches Hefegebäck schmeckt. Da können sie allesamt einpacken – die mit Buttercrème beladenen Biskuitstorten und zuckrigen Rahmbomben – Sahnehäubchen geht ans unprätentiöse Hefegebäck. Am liebsten mit viel Zimt, Kardamom und den unartig viel Hagelzucker.

 

3. Salmiakki naschen

Wenn süsse Zungen und saure Pilze aus Kindstagen die hektisch pubertäre Phase überstehen, kommen dabei die erwachsenen, starken Salmiakki heraus. Salmiakki ist Lakritz, dem ein Salz, Ammoniumchlorid, beigemischt wird. Dementsprechend salzig schmeckt die Süssware dann auch. Das mundet nicht jedem, gewissen dafür umso mehr. Und wer will schon allen gefallen. Die Pubertät haben diese schliesslich hinter sich.

 

Aber auch wer lieber beim jungfräulichen Lakritz bleibt, muss über mangelnde Auswahl nicht klagen. Das schwarze Süss gibt’s in allen Formen und Geschmacksrichtungen – Renntiere, Totenköpfe und Hockeyschläger buhlen um die Gunst der Naschkatze. Und während der Lakritzschnaps, Salmiakkisnapsi, die Grossen besänftigt, kommen die Kleinen mit Lakritzmilch oder Lakritzquark auf ihre Kosten.

 

Mags-Frisch-Helsinki

4. Heimische Beeren mampfen

Während der Hipster von Welt nach Aronia-, Acai- und Gojibeere lechzt, sind die finnischen Foodies entspannt genug, ihre hiesigen Beeren zu essen. Blaubeeren, Preiselbeeren oder auch Moltebeeren gehören zu den Lieblingen. Letztere sind eine rare Spezialität und nur in wenigen nordischen Ländern zu finden. Sie sind klein, orange und schmecken unverarbeitete recht sauer. Auch Kananda, Russland, Schweden und Norwegen verfügen über diese wilde Beerenart. In Finnland werden Moltebeeren oft für Gebäck oder Konfi gebraucht. Moltebeerenkonfitüre serviert man traditionell mit Leipäjuusto, einem finnischen Käse aus Kolostrom, der Erstmilch der Kuh.

 

5. Auf urchiges Brot setzen

Nichts gegen Weggli, Foccaccia, Semmeli und Co., aber wenn ich etwas will, das mir auf der Zunge zergeht, kann ich auch gleich Kuchen essen. Manchmal muss es eben einfach echtes, rustikales Brot sein. Roggensauerteigbrot oder Roggenvollkornbrot, das ist Brot, das richtig gebissen und gekaut werden muss, das einen eigenen Geschmack hat – nussig, kernig, gut. Es ist Brot mit einer Rinde, die ihren Namen verdient, sättigt und auch zwei Tage alt noch schmeckt.

 

1 Kommentar

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Best of Helsinki – meine Gastro Tipps – Mags Frischantworten
September 03, 2017 um 07:09 PM

[…] Good Life Coffee: Da erklärt sich der finnische Kaffee-Konsum von selbst: Kaffee so gut, dass jedes Wort zuviel die Erinnerung vernebelt. Hübsch hier. Mehr zum finnischen Kaffee-Fetisch gibt’s hier.  […]

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