Christmas as it’s best

Es glitzert und glimmert, der Glühwein fliesst und mutige ugly Christmas Sweater mit wenig dezentem Elch oder Santa-Klaus-Sujet offenbaren die wahren Trendsetter – aber dezent ist in dieser Jahreszeit eh nichts. Alles funkelt und blinkt, es wird geklotzt und geschlemmt, gelacht und gebechert. Genau das ist das Schöne. Zurückhaltung ist für einmal ein schlechter Ratgeber.

Besonders in Zeiten, in denen Minimalismus hochgelobt, clean eating gelebt und workout gemacht wird, sehnen wir uns nach der Üppigkeit und dem Kitsch der Weihnachtstage. Es ist die Zeit der Unvernunft, des Übermuts und der Wonne.

Marzipan statt Magerwahn, Festen statt Fasten, gar die Butter wird begnadigt und schafft es für ein paar Wochen von der Feindesliste. Der Januar kommt früh genug – der Monat in dem man beim Wein spart, Muskeln stählt und Geld zählt. Aber daran wollen wir jetzt noch nicht denken.

Schon als kleines Mädchen schwärmte ich für Weihnachten – plötzlich war Glitzer massentauglich und Wünschen angebracht, es gab Tannzapfen aus Schokolade und die latente Hoffnung dem Christkind zu begegnen. Ich fieberte dem ausgedehnten Festmahl genauso entgegen wie den Päckli unter dem Baum. Meist gab es Fondue Chinoise und ich freute mich auf sämige Dips und salzige Chips. Eine Torte machte den Abschluss – und natürlich die Tannzapfen. Der kindliche Gaumen hat sich gewandelt, das Entzücken ist geblieben.

Für besonderes Entzücken sorgt bei mir heute ein grosser Vogel, der Weihnachts-Turkey. In der Mitte der Tafel thront der Truthahn in seiner ganzen Pracht, umgeben von Schüsseln und Schalen voll köstlicher Beilagen. Christmas as it’s best.

In England schwören sie schon lange auf den weihnächtlichen Truthahn, genauso in Frankreich und in den USA. Der Vogel kommt gefüllt oder ungefüllt auf den Tisch, hofiert von Cranberrysauce, Süsskartoffeln, Maisbrot und etlichen weiteren Leckereien. Für den Amerikaner ist der Turkey zum Weihnachtsfest seit je her Pflichtprogramm – aber er ist mehr als das. Wäre es nach Benjamin Franklin gegangen, wäre auch der Turkey und nicht der Adler das amerikanische Wappentier geworden – dann würde der Vogel nicht nur Festtafeln sondern auch Banknoten, Pässe und Flaggen zieren.

 

Ein Truthahn ist keine Hexerei, macht auch Grossfamilien satt und sieht wunderbar festlich aus. Ich möchte euch dazu ermuntern, euch an den Vogel ran zu wagen – und in dem Sinne a very Merry Christmas!

 

Mags-Frisch-Rezept-Weihnachtsdinner-Truthahn-aus-dem-Ofen

Mags-Frisch-Rezept-Weihnachtsdinner-Truthahn-aus-dem-Ofen    Mags-Frisch-Rezept-Weihnachtsdinner-Truthahn-aus-dem-Ofen

Rezept für einen Festschmaus mit Truthahn und Beilagen

 

Zutaten (für circa 6 bis 8 Personen)

 

für den Vogel:

  • 1 Truthahn aus der Schweiz (ca. 5 – 6 kg)
  • 1 unbehandelte Orangen
  • 2 rote Zwiebeln
  • circa 200 g Butter
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Liter Cider
  • 2-3 Karotten und 1-2 Zwiebeln für in die Form
  • 2 Tomaten
  • 6-10 Scheiben Bratspeck

 

Rosenkohl:

  • 1 kg Rosenkohl
  • 5 EL Olivenöl
  • 3 EL Ahornsirup
  • Salz, Pfeffer

 

Ofengemüse:

  • 400g Kartoffeln
  • 400g Süsskartoffeln
  • 400g Pastinaken
  • 6 EL Olivenöl
  • Schuss Essig
  • 1 EL flüssiger Honig
  • Salz, Pfeffer

 

Pinker Winter-Salat:

  • ½ Rotkohl
  • ½ Weisskohl
  • 1 grosse Rande
  • 2 Äpfel
  • Handvoll Datteln
  • Handvoll Haselnüsse, Sonnenblumenkerne
  • 1 – 2 EL flüssiger Honig

 

Salat-Dressing:

  • 8 EL Sesamöl
  • 4 EL Apfelbalsam
  • 2 EL frischer O-Saft
  • Salz, Pfeffer
  • 1 EL flüssiger Honig

 

Dip:

  • 250 g Ricotta
  • 3 – 5 EL Cranberrysauce

 

Zubereitung Vogel & Gravy:

1

Den Truthahn mit Haushaltspapier trocken tupfen. Die schon etwas weiche Butter mit klein gehackter Petersilie, Salz und Pfeffer würzen und den Vogel damit gut einreiben. Dafür auch die Haut vom Fleisch vorsichtig lösen und die Gewürzbutter zwischen Haut und der Truthahnbrust verteilen. Orangen und die ungeschälten Zwiebeln halbieren und den Vogel damit stopfen. Die restlichen Zwiebeln ebenfalls halbieren und mit den Karotten und 2 dl Cider neben den Truthahn in die Form geben.

2

Den Truthahn in den Ofen schieben und bei 200 Grad für circa 20 Minuten garen. Dann wieder aus dem Ofen nehmen und mit dem Speck belegen. Einen Fleischthermometer in der Brust des Truthahns platzieren und den Vogel erneut in den Ofen schieben, dabei ist es praktisch, wenn man die Temperaturangabe auch während des Garvorgangs im Blick hat. Der Truthahn schmort nun nochmals ungefähr für 1,5 bis zwei Stunden bei 180 Grad im Ofen. Dennoch ist seine Kerntemperatur ausschlaggebend, die Zeitangabe soll lediglich ein ungefährer Richtwert sein. Wenn die Kerntemperatur der Brust auf 68 Grad ist, kann der Vogel aus dem Ofen. Weil der Vogel nach dem Braten noch circa 1 bis 2 Stunden ruht, kann das Fleisch noch ziehen und nachgaren. Wichtig ist, die Brust nicht austrocknen zu lassen – wir haben bei 68 Grad Kerntemperatur eine saftige Brust geniessen können.

3

Eine Gravy, im Deutschen auch Bratensauce genannt, schmeckt dazu ausgezeichnet. Da das Truthahnfleisch beim Servieren bereits schon etwas abgekühlt ist, ist die heisse Gravy dazu ideal. Dafür benötigen wir nun die Zutaten, die neben und im Vogel mitgegart haben.

4

Speck, Orangen und Zwiebeln aus dem Turkey und die zusätzlichen Tomaten fein hacken und alles in einer Bratpfanne anbraten. Das Gemüse nach circa fünf Minuten mit 5-6 dl Cider und dem Fleischsaft (Flüssigkeit aus der Bratenform) ablöschen. Wer will verwendet anstelle von Cider Rotwein. Nun lässt man das ganze ca. 20-30 Minuten einköcherln und gibt bei Bedarf noch etwas Cider nach. Wenn gewünscht mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Schluss die Gravy absieben und dabei versuchen so viel Saft wie nur möglich aus den Zutaten heraus zu pressen. Die Gravy in einer Saucier zum Fleisch servieren.

  

Zubereitung Beilagen:

Die Kartoffeln, Süsskartoffeln und Pastinaken waschen, Pastinaken und Süsskartoffeln mit einem Sparschäler schälen und das ganze Gemüse in mundgerechte Stücke schneiden. Mit Öl, etwas Honig, Salz, Pfeffer und einem Schuss Essig marinieren und auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben.

2

Die Rosenkohlröschen waschen, kleiner Strunk entfernen und mit Öl, Ahornsirup, Salz und Pfeffer marinieren. Den Rosenkohl in eine Gratinform geben und gemeinsam mit dem Pastinaken-Kartoffelblech im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad für circa 50 bis 60 Minuten garen.

3

Damit der Rosenkohl und das Pastinaken-Kartoffelblech gleichzeitig gar sind, ist es sinnvoll beide zur selben Zeit in den Ofen zu schieben. Dafür Kartoffeln erst in der oberen Hälfte, Rosenkohl in der unteren Hälfte garen und nach circa 25 bis 30 Minuten die Bleche wechseln. Das Gemüse dann nochmals weitere 20 bis 25 Minuten garen. Mit einem spitzen Messer prüfen, ob das Gemüse gar ist. Es sollte gut durch, aber nicht zu weich sein und eine gute braune Röstfarbe haben.

4

Für den Salat Weisskohl und Rotkohl waschen und mit einer Küchenmaschine fein raffeln. Rande schälen und ebenfalls raffeln, jedoch ein Mü weniger fein. Auch die Äpfel waschen und nochmals etwas gröber dazu raffeln. Die Datteln, klein schneiden – sollten sie zu hart sein, für ein paar Minuten in heissem Wasser einweichen. Die Nüsse und Kerne mit Honig beträufeln und auf einer oberen Rille des Ofen bei 180 Grad für circa 12 Minuten karamellisieren und rösten.

5

Für das Dressing Sesamöl, Apfelbalsam, Salz, Pfeffer, Orangensaft und Honig in einem Schüttelbecher gut verrühren, wer keinen Schüttelbecher für Salatsauce hat, nimmt einen Stabmixer zur Hilfe. Geraffelter Kohl, Rande, Apfel und Datteln untereinander mengen und mit dem Dressing mischen. Der Salat sollte nun noch ein Weilchen im Kühlschrank stehen, damit das Dressing richtig schön einziehen kann. Kurz vor dem Servieren die süssen Honignüsse darauf verteilen.

6

Den Ricotta crèmig rühren und die Cranberrysauce leicht darunterziehen. Dip dazu reichen.

7

Die Beilagen in Schüsseln umfüllen und gemeinsam mit dem Truthahn und der Gravy servieren. Der Gastgeber kann direkt am Tisch den Truthahn tranchieren: als erstes werden die Flügel und die Schenkel abgetrennt, danach das Messer etwas schräg am Brustbein ansetzen entlang des Brustbeines vorsichtig die Brust abtrennen. Mit der anderen Seite genau gleich verfahren. Die beiden Brüstchen dann in feine Scheiben schneiden. Nun können sich alle Gäste selber schöpfen – und nachschöpfen und nachschöpfen bis alles aufgegessen ist!

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