Das Philosophen Frühstück

Es gab – wenn auch schwer vorstellbar – mal Zeiten ohne Whatsapp, Snapchat und Co. Damals schrieben sich die Menschen Briefe. Manchmal über Jahre, gar Jahrzehnte hinweg. Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque, Paul Celan und Ingeborg Bachmann genauso auch Goethe und Schiller – nur eine kleine Auswahl der vielen grossen Literaten, deren Briefwechsel auch für die Nachwelt erhalten geblieben ist. Die Briefe sind facettenreich und bunt – Liebesschwüre, philosophische Abhandlungen über das menschliche Dasein, sexuelle Phantasien oder einfach den neusten Stand von Wetter und Verdauung.

 

Paket Post

Zwei, die sich lange und viel geschrieben haben, waren Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Als Frankreich 1939 Deutschland den Krieg erklärte, wurde Sartre ins Elsass beordert. Weil es da für kriegerische Verhältnisse aber erst mal noch ruhig war, kam er viel zum Schreiben. Darunter auch Briefe an seine Seelenverwandte in Paris, die Feministin, Schriftstellerin und nicht minder talentierte Simone de Beauvoir. Über Politik, Philosophie und Sartres neustes Werk ‚Das Sein und das Nichts’ tauschten sie sich per Briefpost aus. Zwischen Sartres Zeilen schleichen sich auch immer wieder allzumenschliche Passagen. So erinnert er de Beauvoir daran, ihm doch endlich zwei Pakete Halva zu senden. Halva, das ist eine Süssigkeit aus Tahini, also zu Mus gemahlenen Sesamsamen, Honig und Nüssen. Sartre konnte kaum widerstehen. In einem darauffolgenden Brief schreibt er wieder:

 

„Ich war in einer ausgezeichneten Stimmung heute, und dann bekam ich Ihre Bücher, aber keine Halva. Gibt es noch ein anderes Paket?“

 

Und als das philosophische Schleckmaul dann Halva zugeschickt bekommt, ist seine gierige Freude nicht zu überlesen:

 

„Mein Halva ist in gutem Zustand angekommen (…) Vielen Dank, meine kleine Süße. Wir haben die ganze Schachtel beim Mittagessen gegessen.“

 

Einer von uns – fast

De Beauvoir und Sartre, zwei grosse Literaten, die sich – wunderschöne Briefe geschrieben haben. Und Sartre, das Genie, wird durch seine grosse Schwäche für Süsses fast zu einem von uns.

 

Halva – da stimme ich Sartre zu – ist ein unvergleichlich feines Dessert. Aber weil der Sommer schon greifbar ist und so das Schlemmen schon unbeschwerter war, bauen wir Halva diesmal besser in ein gesundes Frühstück ein. Dieses Granola mit Tahini, Sesam und Nüssen geht bestens als Halva-Granola durch, schmeckt köstlich, macht fit und ist erst noch das erste existenzialistische Frühstück ever.


Rezept für Halva-Granola

Zutaten

fürs Halva-Granola:

  • 100 g feine Haferflocken
  • 50 g Cashews
  • 50 g Kokosflakes
  • 50 g Mandeln
  • 50 g Kürbiskerne
  • 50 g Sonnenblumenkerne
  • 30 g Sesam
  • 1/2 TL Zimt
  • 1/2 TL Vanille
  • 1/4 TL Kardamom
  • 3 Prisen Salz
  • 2 EL Tahini
  • 4 EL Ahornsirup

für das Dattel-Caramel:

  • circa 12 bis 15 Datteln
  • circa 40 bis 70 ml Hafermilch
  • zwei Prisen Zimt

für die Nussbutter:

  • 2 EL Ahornsirup
  • 2 Prisen Meersalz
  • 300 g Haselnüsse oder Cashews, gerne auch gemischt

für die Müsli-Bowl:

  • 3 bis 4 Stangen Rhabarber
  • 2 bis 3 EL Honig
  • etwas Vanille oder Vanillezucker
  • Griechisches Joghurt, soviel du magst
  • 1 Pistazien zum Garnieren

Anleitung

1

  • Die Mandeln und Cashews grob hacken, dann mit den Kokosflakes, Sesam, Kürbiskernen, Sonnenblumenkernen und Haferflocken, den Gewürzen und dem Salz gut vermischen. Das Tahini etwas glatt rühren und mit dem Ahornsirup darunterheben und alles gut verrühren. Die Halva-Granola-Masse nun auf mit einem mit Backpapier belegten Blech ausstreichen. Damit es auch wirklich richtig knusprig wird, nicht Schichten, lieber ein zweites Blech machen, wenn nicht alles auf eines passt. Die Granola-Mischung im auf 150 Grad vorgeheizten Ofen für circa 18 bis 25 Minuten backen. Es sollte gut gebräunt, aber auf keinen Fall schwarz sein. Dann herausnehmen und abkühlen lassen.Das Halva-Granola wird erst beim Abkühlen ultra-knusprig.

2

  • Für das Dattel-Caramel die Datteln entsteinen, in ein Schüsselchen geben und mit etwas kochendem Wasser übergiessen. Die Datteln kurz quellen lassen, damit sie weich sind. Dann abgiessen (das Dattelwasser aber nicht wegschütten, siehe Tipp). Datteln in einen Food Processor geben und mit der Hafermilch, etwas Zimt und Miso zu einem crèmigen Mus mixen. Je nachdem wie fest oder flüssig man das Mus haben will, ist mehr oder weniger Hafermilch nötig. Das Miso gibt eine schöne Würze.

3

  • Für die Müsli-Bowl Früchte eurer Wahl (ich habe Rhabarber genommen) klein würfeln und mit einem Mü Wasser, Honig und Vanille langsam zu einem weichen Kompott köcheln.

4

  • Für die Nussbutter die Nüsse in einer beschichteten Pfanne ohne Fett und unter Aufsicht rösten, dann auskühlen lassen. Die gerösteten Nüsse und zwei Prisen Salz in einem leistungsstarken Food Processor für 10 bis 12 Minuten mixen. Zu Beginn passiert wenig, aber Geduld zahlt sich aus. Nach einigen Minuten wird aus den feinst gehackten Nussflocken irgendwann eine geschmeidige Masse. Ganz zum Schluss Ahornsirup beigeben und lediglich noch umrühren, nicht mehr mixen.

5

  • Griechisches Joghurt, frisch gebackenes und ausgekühltes Halva-Granola, Rhabarber-Kompott, Nussbutter und Dattel-Caramel in einem Schüsselchen hübsch anrichten und mit den Pistazien toppen.
  • Tipp: Wenn die Datteln circa für 30 Minuten in etwas kochendem Wasser gequellt haben, sind sie weich und perfekt für die Weiterverarbeitung. Das Wasser ist nun süss, schmeckt nach Datteln und kann wunderbar getrunken werden. Im Iran wird Wasser, in welchen getrocknete Feigen oder Datteln gequellt haben am Strassenrand als gesunder Durstlöscher verkauft.

Tipp:

  • Das Halva-Granola lässt sich in einem gut verschlossenen Glas bestens zwei Wochen aufbewahren. Auch die Nussbutter und das Dattelcaramel sind im Kühlschrank durchaus einige Zeit haltbar und passen hervorragend aufs Brot, ins Johurt oder zum Glacé.

1 Kommentar

An Diskussion teilnehmen.

Kult Kulturen – im Herbstmäntelchen – Mags Frischantworten
April 14 um 03:04 PM

[…] Weitere Müsli Rezept-Ideen gibts hier: Rhabarber Müsli […]

Schreibe einen Kommentar