Streetfood für Zuhause
Streetfood für Zuhause

«Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit»

Mark Twain

Er muss es ja wissen. Der kreative Kopf reiste Zeit seines Leben in der weiten Welt umher und bevor er sich mit Büchern wie Huckleburry Finn einen Namen machte, schrieb ernstzunehmende Reiseliteratur. Seine Beobachtungsgabe war herausragend, sein Humor unverwechselbar. 


Wenn das alles vorbei ist, werden wir es Twain wieder gleichtun. Rucksack packen, Turnschuhe schnüren und los. Schliesslich gilt und da halte ich mich gerne an Susan Sontag: 

«Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.»


Bis dahin holen wir uns die weite Welt in die gute Stube und essen Banh Mi oder gefüllte Focaccia, bestellen Momos oder indisches Butter Chicken. Ein paar liebste Streetfood Gerichte habe ich hier für euch zusammengetragen. Ich hoffe und wünsche, sie lassen euch etwas in die Ferne schweifen – so sehr, dass sich die Sonne auf Balkonien mit gut gefüllten Bäuchen gleich etwas mediterraner anfühlt. 


Kumpir – Türkei

Meinen ersten Kumpir hatte ich in Istanbul. Hin und weg war ich. Eine mehlige Kartoffel, gross wie ein fette Aubergine wird mit allerlei – gesunden und weniger gesunden – Zutaten gefüllt. Die Kartoffel platzt aus allen Nähten und trotz ihrer stolzen Grösse droht sie unter Mais und Tomaten, Joghurt und Käse, Oliven und Grillgemüse einzugehen. Dass das genauso sein muss, macht dieses Mahl so ungemein sympathisch. 


Wenn ich Zuhause Kumpir zubereite, ist das wilde Treiben aus Istanbul nicht mehr weit. Ich höre hupende Autos und laute Marktschreier, gurrende Tauben und Männerstimmen, die sich bei Tee und Baklava in einer Lautstärke unterhalten. Der Kumpir lässt sich mit grossen mehligen Kartoffeln zubereiten, genauso gut eignet sich auch eine Süsskartoffel. Meine Süsskartoffeln-Version ist gefüllt mit einer Frischkäse-Avocado Crème, gerösteten Bohnen und getoppt mit einem pochierten Ei. Das ist tatsächlich nicht klassisch, dafür aber ungemein lecker. Und die Tauben höre ich auch so gurren. Das Rezept ist übrigens aus meinem Buch ‘Ferrante, Frisch & Fenchelkraut’.  Mehr dazu gibts auch hier.


Kumpir Rezept

Loaded Süsskartoffel mit Avo, Cream Cheese und pochiertem Ei

Portionen 4

Zutaten

  • 4 grosse Süsskartoffeln
  • 1 1 reife Avocado
  • 200 g Frischkäse
  • 1 Glas weisse Bohnen, Abtropfgewicht ca. 240 g
  • 1 TL Oregano, getrocknet
  • 1 TL Thymian, getrocknet
  • 1 EL Olivenöl
  • 4 pochierte Eier
  • grobkörniges Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Handvoll Pekannnüsse
  • 1 Handvoll Kresse

Anleitung

1

  • Süsskartoffeln waschen und mit einer Gabel mehrmals einstechen und im auf 190 vorgeheizten Ofen für circa 35 Minuten garen. 

2

  • Die Bohnen abtropfen und abspülen und mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und den Gewürzen mischen und in eine kleine Gratinform geben. Während circa 20 Minuten zu den Süsskartoffeln in den Ofen geben. 

3

  • Die Pekannüsse in einer Pfanne ohne Fett unter Aufsicht einige Minuten rösten bis sie zu duften beginnen. 

5

  • Für den Aufstrich die Avocado mit einer Gabel zerstampfen und mit dem Frischkäse mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen und einen Schuss Zitronensaft zugeben. 

5

  • Die Süsskartoffeln halbieren. Mit der Avocado-Frischkäse-Crème bestreichen, die gerösteten Böhnchen darauf geben, ein pochiertes Ei dazu setzen und mit gerösteten Pekannüssen und Kresse garnieren. 

Blumenkohl aus dem Ofen – Israel

In Israel beginnt die Bestechung bereits bei Hummus. Wer aus simple Hülsenfrüchten eine solch seidengleiche Köstlichkeit herstellt, der hat definitiv etwas schwer richtig gemacht. Bei der Shakshakua geht’s im ähnlichen Stil weiter, ein einfaches Eier Tomaten Gericht, das aus jedem Frühstück ein Champager Brunch macht – und das ganz ohne Champagner. Auch der Streetfood lässt sich sehen – und ich entschuldige mich für den fehlenden Überraschungseffekt. Sabich, Falafel oder gebackener Blumenkohl, you name it. Letzterer kommt in seiner ganzen Pracht daher, im Ofen oder auf dem Grill geröstet, mit Za’atar versehen und auf kühlendem Joghurt serviert. Für ganzen Blumenkohl gibt’s eine Adresse, die du dir keinesfalls entgehen lassen solltest: Miznon. Da einkehren und soviele Blumenkohlköpfe futtern wie nur möglich. Oder selber welche zubereiten. Auch immer eine gute Idee. 

Rezept? Voilà.


Blumenkohl aus dem Ofen
In seiner ganzen Pracht

Khachapuri – Georgien

Khachapuri ist mein Trostpflaster oder das Ablenkungsmanöver, wie auch immer. Es ist jedenfalls das georgische Nationalgericht schlechthin, beliebter Streetfood – und das gar bis nach New York. Khachapuri ist fettig, mit viel Käse, Ei und noch mehr Käse. Georgien wäre diesen Sommer mein Reiseziel gewesen, zahlreiche Khachapuris hätte ich essen wollen, jeden Tag eines. Die Kalorien zählen in den Ferien sowieso nur halb. Aus Georgien wird wahrscheinlich nichts, umso fleissiger backe ich sie mir Zuhause. Dazu am Besten georgischen Wein trinken und die Musikboxen aufdrehen: es sollte die Tifliser Band Young Georgian Lolitaz ertönen. Dazu ein Buch ‘Das achte Leben’ von Nino Haratischwili oder ‘Literaturexpress’ von Lasha Bugadez. Fast bisschen wie Ferien.

Das Rezept gibts gleich da.


Khachapuri Rezept
Khachapuri – nicht nur in Tiflis der letzte Schrei

Croquetas – Spanien

Bestimmt zwei Dutzend Croquetas habe ich während einer Woche Andalusien verspeist. Und es hätten locker noch mehr sein können. Ich stoppe meist aus Vernunft oder weil meine Euros ausgehen. Kaum je weil der Appetit abhanden kommt. Schon gar nicht bei einer Köstlichkeit wie’s Croquetas sind. Besonders gute hatte ich im XY. Nicht nur Sämigkeit, Käsegehalt und Krossheit stimmen, das Ambiente in diesem Spunten ist bleibend. Dicht an dicht drängen sich die Gäste in diese Tapasbar. Als wir sie betreten ist sie schon Bersten voll. Da drin wird getrunken, geschlemmt und gelebt. Das war im letzten November, anno dazumal, als es weder social distancing noch eine Abstandsregel gab. Möge das bald vorbei sein, sodass wir unsere Croquetas wieder eingepfercht mit lauter Fremden geniessen können. Und solange das noch nicht möglich ist, frittieren wir Zuhause selber. En Guete! 

Das Rezept findest du hier.


Croquetas Rezept
Ein Hauch Süden, oder auch ein paar mehr.

Noch mehr Streetfood Gerichte gibt’s hier:

Poutine aus Kanada

Banh Mi Salat

1 Kommentar

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Freitag Style – lilalivantworten
April 24 um 07:04 AM

[…] In Corona-Zeiten gibt’s Street-Food einfach daheim. Danke Magsfrisch! […]

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